Donnerstag, 14. Juni 07 um 08:00 Alter: 5 Jahr(e)

Bunter Tupfer im grauen Industrieallerlei

Von: Von Michael Stürm

Neubau der Firma Sklarski

Rechteckig, praktisch, für das Auge weniger gut: Wer einen Blick auf das Böblinger Industriegebiet Hulb wirft, wähnt sich nicht gerade in einem Umfeld, das von architektonischer Klasse bestimmt ist. Seit kurzem sorgt ein kleines Häuschen für Pfiff in der Einfalt der Industrie- und Zweckbauten: Das Erweiterungsgebäude der Firma Sklarski in der Hanns-Klemm-Straße setzt einen bunten Kontrapunkt zum funktionalen Betongrau der Umgebung.

Pläne, Unterlagen, Akten – zu wenig Platz, zu viel Papier: Vor einiger Zeit stand dieses Problem auch bei Firmenchef Ralf Sklarski vor der Tür. Das Betriebsgelände auf der Böblinger Hulb hielt mit der raschen Entwicklung seiner Bauunternehmung nicht mehr Schritt. Schnell wurde klar: Hier muss Erweiterungsfläche her.

Als Architekt Udo Bertsch vom Böblinger Architekturbüro Hinrichsmeyer & Bertsch mit einer über dem bestehenden Flachdachbau schwebenden Konstruktion anmarschierte, die das Raumproblem mit 240 Quadratmetern Bürofläche lösen sollte, war bald klar, dass dies eine Nummer zu groß ist. Beim zweiten Versuch musste der Chef erneut tief durchatmen: Nicht so sehr die Dimension war der Grund, sondern das, was der Böblinger Bauplaner auf das Papier gezeichnet hat: ein kleines Häuschen mit Spitzdach, fast vom Scheitel bis zur Sohle mit kunterbunten Faserzementplatten bestückt. „Gewagt“, war der erste Kommentardes Bauherrn. Vor allem mit der reichlich unkonventionellen Fassade sei er „etwas unsicher gewesen“, gestand Sklarski.

„Die Fassade ist wie die Firma“, bot Architekt Bertsch Interpretationshilfe: „einzigartig“. Ein eintöniges Gesicht, argumentierte er, „passt nicht zu diesem Unternehmen und seinem Chef“. Eine Sichtweise, die auch Ralf Sklarski nicht unberührt ließ. Stimmt eigentlich, dachte er sich: „Wir machen alles von der wackelnden Steinplatte im Garten bis hin zur Fabrikhalle“. Die vielen Facetten der Fassade sollten die Struktur des Böblinger Unternehmens verdeutlichen. Bald waren alle Zweifel beseitigt und Ralf Sklarski der Meinung, einen „gigantischen“ Entwurf auf dem Tisch liegen zu haben.

Das war im Herbst des vergangenen Jahres. Seitdem bedient sich der dreifache Vater der Sprache seiner Kinder, wenn er vom neuen Gebäude spricht: „Das Haus vom Nikolaus“, sagt der 37-Jährige und zieht dabei mit seinem Finger ein spitzes Dach nach. Ein „Hingucker“ soll's sein. „Hier sind wir“, möchte der Firmenchef zeigen, keiner soll auf die Idee kommen, dass auf dem Betriebsgelände in der Hanns-Klemm-Straße ein Kfz-Mechaniker seiner Arbeit nachgeht. Deshalb haben die Zimmermänner an die Außenhaut des Anbaus rund 3000 Faserzementplatten angebracht und auch die Stellen, wo normal Ziegel ruhen, nicht ausgelassen. „Das muss nach Bauen aussehen“, lautete Ralf Sklarskis Absicht.

Auch er und seine Mitarbeiter tummeln sich ab sofort im standesgemäßen Umfeld. Die rund 110 Quadratmeter Bürofläche sind betont reduziert eingerichtet, die Materialien sollen demonstrieren, dass hier das Bauhandwerk residiert: Über Sklarskis Schreibtisch unter dem hohen First setzt sich die Holz-Unterkonstruktion des Daches unkaschiert fort, die Innenmauern sind, wie sie die hauseigenen Rohbauer gegossen haben: roher, rauer Beton, nur mit weißer Farbe übertüncht. „Da kann man keinen Pfusch verbergen“, weiß Sklarski und rollt mit seinem Schreibtischstuhl über eine rote Besonderheit: ein farbiger Estrich, den es so noch gar nicht gibt und der hier seine Pionierqualitäten unter Beweis stellen muss.

Drei Monate Bauzeit hat es benötigt, um das Büro-Häuschen an den bestehenden Flachdachbau anzudocken. „Dank der verwendeten Mater-ialien gar nicht so teuer“, weiß Ralf Sklarski. Für die Einsparungen gab's einen Hightech-Kopierer ins neue Büro.

Am morgigen Sonntag präsentiert die Firma Sklarski ihr neues Gebäude und das Betriebsgelände der Öffentlichkeit. Von 11 bis 15 Uhr erwartet alle Interessierte in der Hanns-Klemm-Straße 52 auf der Böblinger Hulb ein Blues-Frühschoppen mit Weißwurst-Frühstück und Musik der Band „StreetDoctors“. Ein Festzelt sorgt für Spaß und Unterhaltung bei jeder Witterung.


 
-->